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koproduktionen

BANDEN! versucht Schnittstellen zwischen Staatstheater und Freier Szene zu erfinden und sucht nach neuen Formen des Kunstschaffens. Dabei entsteht ein Netzwerk, dessen Zusammenarbeit auf Augenhöhe bundesweit einzigartig ist: Egal, ob es um die demokratische Art der Teamzusammenstellung und der Aufgabenverteilung geht, um die intensivere Einbindung der Spieler*innen in Entscheidungsprozesse, die längeren, flexibleren Probenzeiten, oder auch um das anschließende Touring der Produktionen: Das Staatstheater nähert sich den Arbeitsweisen der Freien Szene an. So entstehen für Ensemble-Schauspieler*innen ungewöhnliche Produktionsprozesse: Sie sind gleichberechtigt beteiligt an der Konzeptentwicklung, arbeiten über ein bis zwei Jahre in mehreren Workshops und Probenphasen mit den Performance-Gruppen zusammen, strömen aus in die Stadt, führen Interviews und fahren zu Recherchezwecken auch schon einmal um die Welt.
Das Staatstheater flexibilisiert so die eigenen Strukturen und verbreitert sein ästhetisches Portfolio, die Schauspieler*innen erhöhen ihre Eigenverantwortlichkeit und eigene
Autor*innenschaft. Aber auch die Performer*innen aus der Freien Szene profitieren von den Ressourcen und der Expertise der Institution. Ziel dabei ist, aus dem Besten beider Welten etwas Drittes zu erfinden, das vielleicht einige grundsätzliche Fragen beantworten kann, die sich das flausen+ BANDEN!-Team stellt und die auch z.B. im Ensemble-Netzwerk, innerhalb der bundesweiten Stadttheater-Diskussion und in aktuellen sozio- und kulturpolitischen Diskursen das Thema der Zeit sind: Bilden wir die Diversität der Gesellschaft auf der Bühne ab? Wenn wir Menschen mit vielfältigen Lebensentwürfen erreichen und repräsentieren wollen, brauchen wir dann nicht auch andere Arten des Produzierens und Erzählens von Geschichten? Wie können wir festgefahrene patriarchale Hierarchien und systemische Strukturen einmal spielerisch überwinden?
Das Ziel dieser künstlerischen Forschung ist es u.a., die Mitarbeiter*innen und das Ensemble für demokratische, ganzheitliche Arbeitsweisen zu professionalisieren, die Zuschauer*innen an offene künstlerische Formen heranzuführen und den gemeinsamen Diskurs darüber zu fördern, wie wir zusammenarbeiten, zusammenleben und zusammen Kunst machen und erleben wollen. Vielleicht ist nicht jede so entstandene Produktion im Ergebnis revolutionär anders im Vergleich zu Produktionen, die auf konventionellem Wege entstanden sind. Aber wir Künstler*innen des flausen + BANDEN!-Netzwerks wollen nicht länger auf der einen Seite gesellschaftliche Utopien für die Bühne entwerfen, während wir andererseits selber hierarchisch in feudalen, produktionstechnisch in fordistischen Verhältnissen arbeiten. Es geht darum, vorzuleben, was man predigt.


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Die Arbeitsweise der Freien Szene ist meistens projektförmig und, wie der Name „Freie Szene“ schon ausdrückt, eben „Frei“. Das meint aber nicht nur die Freiheit in allen künstlerischen Belangen. Es meint auch, dass Künstler*innen oder Gruppen ihre Theater- oder Tanzproduktionen in vielen Fällen ohne eine Institution im Rücken erarbeiten, also ohne feste Probenräume, ohne Werkstätten zum Bühnenbild-Bau, ohne feste Werbe-Etats und ohne eine Verwaltung, die sich um alle finanziellen und organisatorischen Belange kümmert. Künstler*innen aus der Freien Szene müssen sich also sehr gut organisieren und neben der eigentlichen künstlerischen Arbeit noch viele andere Aufgabenbereiche übernehmen, damit eine Inszenierung realisiert wird.
Hier setzt das Programm flausen + an: Neben den seit 2011 bestehenden Residenzen zur künstlerischen Forschung bietet es seit 2017 mit der flausen + Koproduktion ein weiteres Modell an, um die künstlerische Arbeit Freier Theaterschaffender zu fördern. Beide Modelle von flausen + bauen aufeinander auf, indem Koproduktionen mit vorherigen Stipendiat*innen realisiert werden – so wird eine nachhaltige Förderung für die Künstler*innen gewährleistet: In der Residenz können die Künstler*innen für einen Zeitraum von vier Wochen künstlerische Forschung an einem der bundesweiten flausen + Netzwerk-Theatern betreiben – völlig frei und ohne den Druck, eine Aufführung oder Inszenierung erarbeiten zu müssen. Dabei entstehen fast immer neue Impulse für die eigene künstlerische Handschrift oder überzeugende erste Ansätze für neue Inszenierungen. Die Koproduktion zielt dann darauf ab, die Künstler*innen bei der Weiterentwicklung dieser Ansätze zu einer fertigen Theaterproduktion und letztlich auch bei der eigenen Professionalisierung zu unterstützen:
Vormalige Stipendiat*innen der Residenzen erhalten im Rahmen der Koproduktion die Chance, mit zwei Theatern aus dem flausen + Bundesnetzwerk eine Inszenierung zu erarbeiten. Die Theater bringen sich mit der Bereitstellung von Probenräumen und technischem Equipment sowie einer Premiere und anschließenden Aufführungen in beiden Kooperations-Theatern ein. Die Künstler*innen sollen dadurch nach einer Residenz nicht sich selbst überlassen werden, sondern zusätzliche Möglichkeiten erhalten ihr Profil zu schärfen und das innovative Potential ihrer Forschungsergebnisse nicht nur zu bewahren, sondern für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen. So versteht sich die flausen + Koproduktion auch als eine Möglichkeit, Darstellende Künstler*innen mit ihrer Arbeit in verschiedenen Orten zu etablieren und langfristig ein Publikum für sie zu interessieren.

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Gastspiele

Was muss ein Gastspiel können, um ein BANDEN!-Gastspiel zu werden? Es muss flachhierarchisch, im Modus kollektiver Kreativität entstanden sein. Es muss gesellschaftliche Vielfalt gerade von deren Rändern aus sinnlich erfahrbar machen – jenseits bürgerlicher Repräsentation. Es muss die Avantgarde der Performance-Ästhetik nach Oldenburg holen und auch vermeintlich abseitige, streitbare, irritierende Positionen zur Diskussion stellen. Es muss seinen Beitrag dazu leisten, dass das flausen+BANDEN!-Festival vier Tage lang zu einem inhaltlichen und ästhetischen Ausnahmezustand in der Theaterwelt der Stadt Oldenburg wird.
Die diesjährige Auswahl bringt die vielfach international preisgekrönte, zum Berliner Theatertreffen 2019 eingeladene Produktion ,Oratorium‘ von ,She She Pop‘ ins Große Haus. Dort wird auch die Sängerin und Performerin ,Cora Frost‘, die jetzt ,Peter Frost‘ heißt, mit ihrer/seiner fulminanten Ausnahme-Stimme und ihrer/seiner wilden Show ihr/sein Publikum erstaunen und berühren. Die ,Cora/Peter Frost-Show‘ zeigen wir als Doppelabend zusammen mit der Berliner Gruppe ,Vulva Kings‘. Diese werden Sie mit ihrem queer-feministischen Manifest in einen emanzipatorischen Bewusstseins-Rausch versetzen. Die Produktion der ,Vulva Kings‘ ist im HAU Berlin im Rahmen des Festivals ,Manifestos for queer futures‘ entstanden. Im Kleinen Haus nähern sich die kompromisslosen Performer*innen von ,Markus&Markus‘ auf äußerst überraschende Art dem Islam. In den Schlosshöfen und im Stadtraum werden Ihnen Menschen auf Hochstühlen begegnen, die auf merkwürdige Art miteinander in Verbindung stehen. Auf sehr poetische Art bringt uns hier die Gruppe ,Mobile Albania‘ mit ihrer Performance ,Der Apparat‘ ins Gespräch miteinander. Das irrwitzige Straßentheater ,Rumpel Pumpel Theater‘ wird in seiner wilden Anarchie alles auf den Kopf stellen, was Sie (und wir) bislang von Theater gewusst zu haben meinen. All diese Produktionen haben uns von ihren BANDEN!-Qualitäten überzeugt und wir sind glücklich, sie Ihnen in Oldenburg präsentieren zu können!

Theater ist Raum für Austausch und Demokratie, es ermöglicht Unkonventionelles und neue Seherfahrungen für das Publikum. Impulse dafür erhält man, wenn man einen Blick über den Tellerrand wagt.
Diesen Blick wagen das Oldenburgische Staatstheater, das theater wrede + und das Theaterhaus Hildesheim in einer Allianz der performativen Künste. Gemeinsam richten sie beim flausen + BANDEN!-Festival 2020 eine Performing Arts Academy für den künstlerischen Theater-Nachwuchs aus! Die Academy lädt junge, vielversprechende Theatermacher*innen nach Oldenburg ein, um mit ihnen und mit Ihnen, liebes Publikum, über das Theater der Zukunft zu diskutieren.
Mit Nachwuchsprogrammen, Gastspielen, Workshops, Lectures und Diskussionsrunden laden wir zum Austausch ein. Wir schaffen einen Raum, um zu erfahren, welche Impulse das Theater der Zukunft für die Kultur und Gesellschaft von morgen geben kann: Welche Allianzen von Freiem und institutionellem Theater können dabei aktiv mitwirken?
Für die Performing Arts Academy bringen die drei beteiligten Theater ihre Modelle für den Künstlerischen Nachwuchs zusammen: BANDEN!, flausen + und deBühne.
Seien auch Sie dabei und bilden Sie Banden mit uns!

 
Das Modell flausen + Das Modell flausen + wurde 2011 vom theater wrede + in Oldenburg initiiert und hat mit seinen bundesweiten Forschungsstipendien und einem fachspezifischen Mentoring eine bestehende Lücke in den Darstellenden Künsten gefüllt. Das Modell setzt erstmals innovative Standards durch aufeinander aufbauende Module: Die Vergabe von Stipendien zur Szenischen Forschung, ein daran anschließendes Koproduktionsmodell sowie ein Tourneeprogramm in den 25 Theatern des flausen + bundesnetzwerks. International bietet das Programm durch Kooperationen mit Institutionen z.B. in Italien und Kanada eine einmalige Förderung für progressives und experimentelles Theater. flausen + richtet zudem ein Festival in Bielefeld als auch einen Kongress in Köln aus – mit dem Ziel die Zukunft der freien Darstellenden Künste zu diskutieren und nachhaltig zu verbessern theaterwrede.de/flausen

Das Modell deBühne
Die deBühne ist ein Teil des Nachwuchsförderprogramms FREI_TREPPE des Theaterhaus Hildesheim.
Die deBühne fördert die Professionalisierung junger Theatergruppen in Niedersachsen, die sich mittelfristig eine feste Form geben wollen und ein Produzieren in der Freien Szene anstreben.
Das Arbeiten unter Freien Bedingungen stellt nicht nur künstlerische, sondern vor allem auch organisatorische Anforderungen an Theaterschaffende. Die Entwicklung von Konzepten, die Antragstellung, die Organisation von Proben- und Aufführungsräumlichkeiten, Ausstattung und personeller Unterstützung, die Umsetzung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Projektabrechnung gehören zum Alltagsgeschäft. Für viele junge Theatermacher*innen ist das noch Neuland. Der Theaterhaus Hildesheim e.V. unterstützt im Rahmen seiner Hausreihe deBühne jährlich zwei bis drei junge Gruppen bei ihrem Schritt in das Arbeiten unter professionellen Freien Bedingungen. Die ausgewählten Gruppen realisieren eine Produktion und werden dabei finanziell, ideell und beratend durch das Theaterhaus-Team unterstützt und begleitet.

theaterhaus-hildesheim.de

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Eine Kooperation des Oldenburgischen Staatstheaters
mit dem theater wrede+ und dem Theaterhaus Hildesheim